Leben (Sira)
Sira (Biografie des Propheten)
 

1 - Mekka vor dem Islam

Mohammed (sav), der Gesandte Gottes als Gnade für die Welten und der letzte Prophet, kam in Mekka zur Welt. Eine Stadt, die in der Region Hidschas liegt, westlich der arabischen Halbinsel, die sich mittig zwischen den Kontinenten Asien, Europa und Afrika -auch bekannt als die Alte Welt- befindet. Deswegen wird es hier als nützlich gesehen, ein wenig über die Geschichte Mekkas und hierbei auch über die Kaaba und die Quraisch zu erzählen.

Die Geschichte Mekkas kennt man heute seit der Periode Abrahams, über die Zeit davor hat man jedoch wenige Informationen. Abraham brachte seinen noch sehr jungen Sohn Ismael zusammen mit seiner Mutter Hadschar (Hagar) von Palästina nach Mekka und hielt auf dem Weg dorthin an einer im Koran als „das Tal, wo keine Saat wächst" bezeichnete Stelle (Abraham 14/37). Das Mekkatal besteht aus einer Wüstenlandschaft mit einem sehr warmen Klima und ist dürr. Deswegen hatten Mutter und Sohn nach einiger Zeit Probleme, Wasser zu finden. Islamischen Überlieferungen nach quoll, als Hadschar um es zu finden, zwischen den Hügeln Safa und Merve hin und her lief und bereits die Hoffnung für das Leben ihres Sohnes verlor, durch Gottes Befehl Wasser aus dem Boden, wo der Junge sich befand. Die Quelle wurde Zamzam genannt, und weil sie an Wasser reich war, wurde sie zur Haltestelle von Karawanen. Nach einiger Zeit siedelte der aus Jemen kommende Stamm Dschurhum in die Umgebung von Mekka. Ismael lernte Arabisch von ihnen und heiratete ein Mädchen aus diesem Stamm.

Hin und wieder besuchte der in Palästina lebende Abraham Hadschar und Ismael. Während seines dritten Besuches in Mekka begannen er und sein Sohn Ismael, auf Befehl Gottes die Kaaba zu bauen. Aus manchen Ayat (Versen) des Koran (al-Baqara 2/127; Al-i Imran 3/96; al-Hadsch 22/26) ist zu ersehen, dass es die Kaaba auch schon vor Abraham gab, dass sie aber zerfiel und ihr Standort verloren ging. Abraham fand diesen wieder und baute sie erneut. Obwohl im Koran keine Information darüber zu finden ist, von wem sie vor Abraham erbaut wurde, sollen es aufgrund mancher Quellen Adam oder sein Sohn Schith gewesen sein. Nachdem Abraham den Bau der Kaaba vollendet hatte, erschien der Erzengel Gabriel und lehrte ihn, wie man die Hadsch (Pilgerreise) vollzieht. Nachdem Abraham die Menschen zur Hadsch eingeladen und seine Mission mit seinem Sohn vollbracht hatte, ließ er Ismael hier und kehrte zurück nach Palästina.

Eine Generation nach Ismael standen Mekka und die Kaaba unter der Leitung des Stammes der Dschurhum. Der Stamm Dschurhum, der die von Ismael verkündete Religion, die nur einen Gott kannte, annahm, begann mit der Zeit, davon abzuweichen; neben verschiedenen Immoralitäten stahlen sie die der Kaabe überbrachten Geschenke und behandelten sogar die Pilger schlecht, die wegen der Hadsch die Stadt besuchten. Nach einiger Zeit kam der aus Südarabien ausgewanderte Stamm Huzaa in die Nähe Mekkas, kämpfte gegen die Dschurhum, besiegte diese und vertrieb sie aus der Stadt. Der Stamm Dschurhum entfernte den al-Hadschar al-Aswad von der Kaaba und begrub ihn. Danach verschüttete er den Zamzam-Brunnen, sodass dessen Stelle nicht mehr erkennbar war, und kehrte wieder in seine ursprüngliche Heimat, den Jemen, zurück. Die Ismaeliten, welche nicht zahlreich waren, nahmen an diesem Krieg nicht teil, einigten sich mit den Banu Huzaa und lebten weiterhin in Mekka. Während der Zeit der Huzaa, als Amr b. Luhay die Regierung Mekkas und der Kaaba übernahm, brach er die Tradition an den Glauben der Einheit Gottes (Tawhid), und das Heidentum begann wieder in der Stadt zu herrschen.

In der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts kämpfte der Stamm Quraisch unter der Führung von Kusay b. Kilab, dem Großvater Mohammeds (sav) in fünfter Generation, gegen die Huzaa und übernahm die Regierung Mekkas. Damit ging auch die Verwaltung der Kaaba auf die Quraisch über, was große Ehre und Respekt bedeutete. Kusay vereinte die zerstreut in der Nähe Mekkas lebenden Zweige des Stammes Quraisch und siedelte sie in der Umgebung der Kaaba an. Er organisierte die Ämter und Aufgaben neu und vereinigte diese unter seiner Verwaltung. Das Dar an-Nadwa (das Haus der Versammlung des Quraischstammes), das er hatte bauen lassen, blieb bis zu der Zeit des Islam ein Versammlungsort, an dem alle wichtigen Dinge besprochen und Entscheidungen getroffen wurden.


Die zur Kaaba gehörenden Ämter und deren Aufgaben:

-die Hidschaba: das Wächteramt und dazu gehörend, die Verwaltung der Schlüssel;

-die Siqaya: die Verpflegung der Pilger mit frischem Wasser, das in Mekka knapp war;

-die Rifada: die Versorgung aller Pilger mit Nahrung;

-die Nadwa: der Vorsitz bei Versammlungen über das ganze Jahr;

-der Liwa: das Aufstecken der Heeresflagge bei Kampfhandlungen;

-die Qiyada: das Innehaben der Befehlsmacht über die Armee im Krieg.

Nach Kusay wurde die Verwaltung von Mekka und die Ämter der Kaaba von seinen Kindern und Enkelkindern fortgeführt. Haschim b. Abdi Manaf, das Enkelkind Kusays und der Großvater Mohammeds (sav) in dritter Generation, gab sich Mühe, Nahrung und Wasser sowohl für die Pilger als auch für die Quraisch sicherzustellen. Der durch seine Großzügigkeit bekannte Haschim und seine Brüder Muttalib, Abduschams und Naufal schlossen Handelsverträge mit Byzanz, Jemen, Abessinien und dem Iran ab. Sie unterschrieben außerdem Nichtangriffspakte mit den Stämmen, die sich in den Gebieten der Handelswege befanden. Somit erlangte der Handel von Mekka internationales Gewicht. Die Quraisch begannen, dank der Sicherheit durch die abgeschlossenen Pakte und Verträge, sowie aufgrund des Ansehens, welches sie durch das Ausüben der Kaaba-Ämter erworben hatten, im Winter nach Jemen und Abessinien und im Sommer bis nach Syrien und Anatolien zu reisen. Als sich Haschim des Handels wegen auf dem Weg nach Syrien in Yathrib (Medina) aufhielt, heiratete er hier Salma, die Tochter von Amr. b. Zayd, Angehöriger der Nadschar. Aus dieser Ehe wurde Mohammeds (sav) Großvater Abdulmuttalib (Schayba) geboren. Haschim starb während einer Reise in Gaza (Palästina) und wurde dort beerdigt. Abdulmuttalib blieb bis zu seinem achten Lebensjahr in Medina und wurde dann von seinem Onkel Muttalib nach Mekka gebracht. Hier zog ihn sein Onkel auf und übergab ihm, kurz bevor er starb, die Verantwortung als Stammeshaupt. In einem Traum sah Abdulmuttalib die Stelle, an der sich der Zamzam-Brunnen befand, den der Stamm Dschurhum verschüttet hatte.  Abdulmuttalib grub den Brunnen wieder aus und übernahm die Aufgabe, die Pilger mit Nahrung und Wasser zu versorgen.

Vor dem Islam hatte Mekka sowohl aufgrund seiner geografischen Lage und religiösen Bedeutung als auch als Handelszentrum die Aufmerksamkeit der wichtigen Staaten dieser Zeit, Byzanz, Iran (die Sassaniden) und Abessinien auf sich gezogen. Abraha, der unabhängige Statthalter des abessinischen Königreichs im Jemen, hatte in San'a eine Kirche bauen lassen, um zu verhindern, dass alle Araber die Kaaba besuchten. Nachdem ihm dieses aber nicht in dem gewünschten Umfang gelungen war, entschloss er sich, die Kaaba zu vernichten und den Status von Mekka als religiöses Zentrum zu zerstören. Er hatte vor, die Stadt zu erobern und den Handelsgeschäften der Bewohner Mekkas ein Ende zu setzen. Mit seiner Armee kam er bis vor Mekka und übernachtete dort. Gleichzeitig besuchte Abdulmuttalib, der Anführer der den Quraisch angehörigen Haschim und Großvater Mohammeds (sav), Abraha, und erinnerte ihn daran, dass Allah die Kaaba, bekannt als das Haus Gottes (Baytullah), schützen würde. Entschlossen, die Kaaba zu vernichten, gab Abraha den Befehl zum Angriff. Der Elefant, der sich an der Spitze seiner Armee befand, bewegte sich jedoch nicht in Richtung der Kaaba, und seine Armee wurde durch kleine Steine zerstört, die, laut der Sura al-Fil (105/1-5)[1] von durch Gott geschickten Vögeln herunterprasselten. Dieses Geschehnis wurde „das Elefantenereignis" und das Jahr, in dem dies geschah, „das Jahr des Elefanten" genannt. Der Misserfolg Abrahas hatte dazu geführt, dass die Araber begannen, die Kaaba und die Hadsch noch höher zu schätzen. Die Stadt Mekka und der Stamm der Quraisch gewonnen an Ansehen.

Mekka war neben Yathrib [Medina] und Taif die wichtigste Stadt des Hidschas. Mekka befand sich an einer Stelle, wo sich die Handelswege im Süden mit denjenigen in Richtung Jemen, im Norden in Richtung Mittelmeer, im Osten in Richtung des Persischen Golfes, im Westen in Richtung Dschidda und Afrika überschnitten. Somit besaß die Stadt eine wirtschaftlich vorteilhafte Lage. Die Kaaba war das religiöse Zentrum Arabiens. Die Menschen, die in bestimmten Monaten des Jahres die Kaaba besuchten, brachten Bewegung in die Handelsaktivitäten der Stadt. Es wurden Jahrmärkte aufgebaut und Gedichtwettbewerbe organisiert. Die Basis des wirtschaftlichen Lebens war der Handel, da Mekka aufgrund seiner geografischen Gegebenheiten für das Ausüben von Landwirtschaft ungeeignet war.

Wie fast überall auf der arabischen Halbinsel herrschte auch in Mekka das Heidentum. Der Bedeutendste unter den ungefähr 360 Götzen in der Kaaba und ihrer Umgebung war Hubal; der wichtigste Götze der Quraisch. Außer diesen Götzen rund um die Kaabe gab es auch in den meisten Wohnungen Abgötter. Obwohl die Araber an einen Gott als Erschaffer von Himmel und Erde glaubten, beteten sie Götzen an im Glauben, diese dienten ihnen als Fürbitter und brächten sie Allah näher. Somit wendeten sie sich vom Glauben an die Einheit Gottes (Tawhid) -der die Anbetung Allahs allein voraussetzt- ab. In Mekka gab es auch eine geringe Anzahl von Hanifiten. ("Hanif" waren Gläubige, welche von Abraham abstammten die den monotheistischen Glauben, den Abraham verkündet hatte, beibehielten und schon vor Mohammed an die Einheit Allahs glaubten).

 

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