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Das Maulid

Image Die Geschichte des Maulid (-Festes)

(Feierlichkeit anlässlich des Geburtstages des Propheten)

Die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten sind seit je her ein wichtiger Bestandteil des religiösen und sozialen Lebens in fast allen islamischen Ländern. So galten diese Feiern teils als die politische Legitimität der jeweiligen örtlichen Verwalter, teils als Zeichen religiöser Identität und Sensibilität und wurden mit großem Aufwand gefeiert.

Das Wort „Maulid" bedeutet laut Lexikon „Geburtsort- und Zeit". In der islamischen Literatur hingegen versteht man unter „Maulid" den Geburtstag des Propheten, die für dieses Ereignis veranstalteten Festlichkeiten und die diesbezüglich verfassten Gedichte und Prosawerke. Später erhielt der Begriff „Maulid" eine erweiterte Bedeutung und bezeichnete auch die Geburtstage von Heiligen aus Sufikreisen.

Gemäß der allgemeinen Meinung wurde der Prophet im Jahre des „Elefantenereignisses" geboren, als Abraha, der Gouverneur von Jemen, Mekka angriff, um die Kaaba zu zerstören. Dieses Ereignis wird von den Arabern, die der Nesî' Tradition folgen, in das Jahr 569 n. Chr. datiert, nach anderen wiederum war es im Jahre 570 oder 571 n. Chr. Es wird allgemein angenommen, dass der Prophet am 12. Rabi al-Awwal tagsüber geboren wurde, laut authentischen Überlieferungen an einem Montag.    

Mohammed (sav) feierte zu Lebzeiten seinen Geburtstag nicht, so äußerte er auch nie einen Wunsch oder eine Weisung in dieser Richtung. Auch aus den Zeiten der Khulafa al-Raschidin (der rechtsgeleiteten Kalifen) und den darauf folgenden Epochen der Umayyaden und Abbasiden sind keine Feierlichkeiten zum Maulid durchgeführt worden. Die Regierungsjahre der ersten beiden Kalifen waren beherrscht von Eroberungen, in der Periode der darauffolgenden beiden Kalifen überwogen interne Krisen und in den darauffolgenden Epochen der Umayyaden und Abbasiden waren die politischen Bedingungen für solch eine Zelebrierung, die zur Hervorhebung der Bedeutung und der möglichen Förderung der Prophetenfamilie hätte führen können, nicht gegeben. Als in Ägypten der schiitische Fatimidenstaat gegründet wurde, begann man zu Zeiten Muiz-Lidinillah's (362-365 H / 972-975 n. Chr.), der behauptete, aus der Prophetenfamilie zu stammen, den Geburtstag des Propheten offiziell zu feiern. Zu diesen Feiern wurden noch die Maulidfeiern für Ali (ra), Fatima (ra), Hasan (ra), Husain (ra) und des damaligen Kalifen (Mawâlid-i Sitte), die heiligen Nächte der Monate Radschab, Schaban und Ramadan, die Ramadan- und Opferfeste und noch manche andere Feierlichkeiten hinzugefügt und bildeten in dieser Zeit eine reiche Tradition von Festen. Es ist jedoch deutlich erkennbar, dass diese Feste tagsüber und in Form einer offiziellen Feier, an der die höheren Staatsbeamten teilnahmen, stattfanden und nicht für das Volk veranstaltet wurden und keine besondere Festtagstimmung herrschte. Es ist auch bekannt, dass die sunnitische Mehrheit an diesen Zelebrierungen nicht teilnahm.

Da in der Epoche der Ayyubiden (1171-1462) viele Feste und Zeremonien abgeschafft wurden, fand auch die Maulidfeier keine Beachtung mehr, sodass diese nun nur noch privat von der Bevölkerung gefeiert wurde. Allerdings ist bekannt, dass der für seine Wohltätigkeiten bekannte Schwager von Salahaddin Ayyubi, der Herrscher von Arbil, Begteginer Muzafferüddin Kökböri (586-629/1190-1232) das Maulid des Propheten feierte. Im Gegensatz zu denen der Fatimiden erstreckten sich diese Feiern zusammen mit den Vorbereitungen auf einen weiten Zeitraum, dauerten mehrere Tage und es herrschte eine große Festtagsstimmung. Das Volk und auch religiöse Orden wurden aktiv in die Feiern mit einbezogen.

Der andalusische Reisende Ibn Dschubayr hat in seinem Bericht seiner Reise nach Mekka im Jahre 579 H (1183 n. Chr.) überliefert, dass das Haus des Propheten an dessen Geburtstag zur Besichtigung geöffnet war und die Bevölkerung das Haus besuchte.

In der Zeit der Mameluken (648-922/1250-1517) hingegen wurden die Maulidfeiern in Ägypten in all ihrer Pracht durchgeführt. Neben der Übernahme der fatimidischen Tradition durch die Ayyubiden und die Mameluken hat das Bedürfnis der Betonung der eigenen Identität der muslimischen Bevölkerung in der Zeit der Mongolenangriffe und Kreuzzüge sicher auch eine Rolle in der Verbreitung der Maulidfeiern gespielt.

Seit der Zeit der Mameluken wird der Begriff „Maulid" hauptsächlich für die Bezeichnung der Geburtstage heiliger und wichtiger Persönlichkeiten benutzt. Oft wurden Maulidfeiern aber auch an den Todestagen der Heiligen abgehalten.

Während es anfangs in Nordafrika noch nicht Brauch war, das Maulid zu feiern, führte Abu'l-Abbas Ahmad b. Mohammed b. Husain al-Sabtî al-Azafî (gest. 633 H/1236 n. Chr.), welcher Scheich, Richter und Hadithgelehrter (muhaddis) war, zum ersten Mal Maulidfeste ein, um das Feiern von christlichen Festen durch die Bevölkerung zu verhindern. In der Folge legten die Herrscher und Verwalter großen Wert auf die Maulidfeiern, sodass sich diese Feiern mit der Zeit in Nordafrika und Andalusien verbreiteten.  

Wenn auch der osmanische Herrscher Murad III. erst im Jahre 996 H (1588 n. Chr.) die Maulidfeier offiziell einführte, ist doch bekannt, dass solche Feste im Osmanischen Reich schon vor dieser Zeit gefeiert wurden und Sulayman Tschelebi sein berühmtes Maulid schon im Jahre 812 (1409) verfasst hatte. Auf offiziellen Zeremonien in der Sultan Ahmet Moschee waren der Sultan, der Großwesir (Sadr Azam), das Religionsoberhaupt (Scheich al-Islam), die Wesire, die obersten Richter (Kazasker) aus Anatolien und Rumeli (dem auf der Balkanhalbinsel gelegene Teil des Osmanischen Reiches), Beamten der Verwaltung und des Heeres und die Religionsgelehrten (Ulama) in offizieller Kleidung anwesend. Nach den Predigten des Dienst haltenden Scheichs, des Scheichs der Hagia Sophia und desjenigen der Sultan Ahmet Moschee wurde das Maulid vorgetragen, wobei Scherbett ausgeschenkt, Weihrauch verbrannt und den Beauftragten Ehrenkaftane (Hilat) und Geschenke verabreicht wurden. Später wurden die generell in der Sultan Ahmet Moschee abgehaltenen Maulidfeiern auch in anderen Moscheen Istanbuls wie Beyazit, Nusretiye, Beylerbeyi, Hamidiye u. a. veranstaltet. Mit den Tanzimatreformen wurde die traditionelle Form der Maulidzeremonien eingehalten, gleichzeitig wurden auch manche Änderungen vorgenommen. Es wurden unter anderem folgende Neuerungen eingeführt: Die Hin- und Rückfahrt des Sultans zur Moschee wurde nun von einer offiziellen Militärzeremonie begleitet, neben den Minaretten wurden auch die Paläste und Staatsgebäude beleuchtet, zu allen fünf Gebetszeiten wurden vom Arsenal und den Kriegsschiffen Kanonenkugeln abgefeuert. Obwohl das Maulid ab 1910 als offizieller Feiertag des osmanischen Staates galt, wurde es nach der Bekanntmachung der Republik abgeschafft.

Heute werden Maulidfeiern, außer in Saudi-Arabien, in den islamischen Ländern von Nordafrika bis Indonesien teils offiziell, teils inoffiziell, groß gefeiert.

Die religiöse Gültigkeit des Maulid

Die religiöse Legitimität des zu Zeiten des Propheten und einige Jahrzehnte nach seinem Tode nicht gefeierten Maulid wurde unter den Religionsgelehrten stets diskutiert. Manche argumentierten, dass es zu Zeiten des Propheten und der Sahaba (den Gefährten des Propheten) und der Tabiin (den Menschen, die zu Lebzeiten der Sahaba gelebt haben) nicht gefeiert wurde, und somit eine der Religion nachträglich beigefügte Erneuerung (Bidat) sei und lehnten diese Feiern ab.

Diese negative Haltung gegenüber dem Maulid wurde von Ibn Taymiyya, der zwischen gutem und schlechten Bid'a (Erneuerungen) nicht unterschied, seinen Anhängern, den wahabitischen Religionsgelehrten und auch von zeitgenössischen Gelehrten wie Mohammed Abduh unterstützt. Auch Reschid Riza berichtet ausgiebig von den unschönen Ausführungen während der Maulidfeiern in Ägypten, kritisiert diese und missbilligte die Ulama, da sie zu diesem Thema schweige. Eigentlich war Riza nicht gegen die Maulidfeiern an sich, sondern vielmehr gegen das Übel, das an diesen Feiern oft stattfand. So versuchte er, Lösungen für solche Ausschweifungen zu finden. Auch andere der wahabitischen Tradition angehörende moderne Religionsgelehrte wie der Mufti von Saudi Arabien, Mohammed b. Ibrahim Ali Scheich, Abdulaziz b. Abdullah b. Bâz, Hammûd b. Abdullah et-Tuveydschiri u. a. waren gegen jegliche Maulidfeiern und verfassten verschiedene Werke zu diesem Thema. Dagegen feierten manche reformistische Gelehrte, obwohl sie gegen die traditionelle Art der Maulidfeiern waren, in manchen Ländern Nordafrikas, wie z. B. Algerien, das Maulid und fügten neue Veranstaltungen hinzu, um den Glauben und das nationale Bewusstsein der neuen Generationen zu stärken.   

Andererseits klassifizieren andere Gelehrte die Maulidfeiern, obwohl sie in der ersten Zeit des Islam nicht durchgeführt worden waren, nicht als Aberglaube und bestanden darauf, dass die Maulidfeiern und schlechte, von der Religion nicht gebilligte Verhaltensweisen der Bevölkerung während dieser Feiern, getrennt betrachtet werden müssen. Sie argumentierten folgendermaßen: Sich über die Geburt des Propheten, der als Gnade für die Welten von Allah gesandt worden war, zu freuen, ist legitim; aufgrund des Geburtstages Armen und Bedürftigen zu helfen und so vorbildliches Verhalten zu zeigen; die Liebe zum Koran und für den Propheten in Gedichten auszudrücken, saubere und hübsche Kleider anzuziehen und so seine Freude zu zeigen, ist etwas Gutes und und kann nicht als schlecht angesehen werden (bid'at-ı hasene). Falsches Verhalten bei der Ausübung von Gebeten wie dem Freitags- oder dem Tarawih-Gebet bewirkt ja auch nicht deren Verbot (Haram).

Als der Prophet nach der Tugend des Fastens am Montag gefragt wurde, antwortete er: „Dies ist der Tag, an dem ich geboren wurde und mir von Allah Offenbarungen gesandt wurden." Damit ist offensichtlich, dass er diesem Tag eine besondere Bedeutung schenkte.

Schließlich sollte erwähnt werden, dass Maulidfeiern religiös legitim sind, da sie neben ihrer Bedeutung als Ausdruck der Liebe und Treue zum Propheten auch Anlass für Gebete und me Taten sind. Daneben ist es unumstritten, dass unzulässiges Verhalten während der Maulidfeiern, was ja der Grund der Ablehnung derselben durch die Gegner darstellt, unakzeptabel ist und von Feiern, die zu solchem Verhalten führen könnten, ferngeblieben werden sollte.

Mevlid: Tarihi ve Dini Hükmü, Divan, sayı: 1, İstanbul 2002
 

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